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Ausstellung im Bürgerhaus

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Samstag, 29. Oktober 2016
Artikel in den
Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel

Malgeschichten treffen Stahl
Bernd Pawlowski und Wolfgang Schlieker stellen Kunstwerke im Bürgerhaus aus
CASTROP.
Die Ausstellung in der Galerie im Castrop-Rauxeler Bürgerhaus betitelt Bernd Pawlowski selbst als "Kreuz und Quer". "Weil Wolfgang und ich so ganz unterschiedliche Arbeitsweisen haben", sagt er. Mit dem Titel "Malwelten Skulpturenwelten" zeigen er und sein langjähriger Freund Wolfgang Schlieker ihre Kunstwerke in der Bürgerhaus-Galerie.
Viele Bilder von Bernd Pawlowski sind Impressionen, "gemalte Geschichten", die er auf Reisen um die ganze Welt festgehalten hat. Dabei arbeitet er mit ganz unterschiedlichen Techniken.
So ist das Werk "Uluru" Mythos der Aborigines, das die Geschichte der Australischen Ureinwohner einfängt, als Collage aus Naturmaterialien entstanden. Andere seiner Werke seien als Hommage an Künstler der Moderne zu sehen.
Dem "schwarzen Quadrat" von Kasimir Malewitsch hat Pawlowski fünf Bilder gewidmet. Das Original gilt als eine der Ikonen der Malerei des 20. Jahrhunderts.
Im Gegensatz dazu begeistern Wolfgang Schlieker die Materialien Stein und Stahl seit Jahrzehnten immer wieder von Neuem.

Ein Ruhrgebietskind

"Ich bin ein Ruhrgebietskind. Das wurde mir also quasi in die Wiege gelegt." In der Ausstellung zeigt er nicht nur Entwürfe für einige Skulpturen, die in Castrop-Rauxel an öffentlichen Plätzen aufgestellt sind, wie etwa "Cosmos" auf der Wiese vor dem Hallenbad an der Bahnhofstraße sowie "Europa" und "Begegnung" auf den Kreisverkehren am Europaplatz: Viele Werke, die er in der Galerie im Bürgerhaus ausstellt, sind Skulpturen, die schwingen, wenn man sie anstößt: "Die kinetischen Skulpturen kreiere ich besonders gerne, und da ist anfassen explizit erlaubt."
Die Kunst ist die Passion der beiden Castrop-Rauxeler. Leben könne man davon allerdings nicht. Pawlowski ist eigentlich Friseur in Rente, Schlieker arbeitet als Florist.
Zu sehen ist die Ausstellung, präsentiert vom Kulturbüro der Stadt und der Volkshochschule bis zum 4. Dezember.

Infos zur Ausstellung

Eröffnet wird die Ausstellung "Malwelten Skulpturenwelten" in der Bürgerhaus Galerie, Leonhardstraße 6, am Sonntag, 30. Oktober, um 12 Uhr.
Viele Bilder, die Bernd Pawlowski zeigt, erzählen "gemalte Geschichten", in denen der Künstler auch Alltagserlebnisse wie etwa den 11. September verarbeitet.
Die Skulpturen von Wolfgang Schlieker sind aus Stahl und Stein. Viele von ihnen sind beweglich. Kinetische Kunst nennt er diese Werke.

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Heute gab es in der Zeitung einen Artikel über Skulp-Art in der Tageszeitung Ruhr Nachrichten:

CASTROP. Stein und Stahl das sind die Materialien, die Wolfgang Schlieker schon seit Jahrzehnten immer wieder aufs Neue begeistern. Und seine Kreativität immer wieder anregen. Was folgt, ist harte Arbeit, denn der Stoff, aus dem die Schliekersche Kunst entsteht, ist ausgesprochen schwer und sperrig.
Dabei gelingt es dem Künstler in seinen Werken, die Erdanziehungskraft scheinbar auszuschalten. Schlieker lässt Granit und Basalt schweben. Verbunden mit meterlangen, gebogenen Stahlbändern verbinden die schweren Brocken nicht nur Himmel und Erde, das Element Luft befeuert die Kinetik, versetzt die Werke in Schwingungen.
Schon immer hatte der Floristikmeister ein ausgeprägtes Faible für Gestein. "Steine sind Natur, genau so wie Pflanzen", erklärt er seine Faszination. Wogegen der Stahl, wenn man seiner Philosophie folgt, Menschenwerk ist. Aus Eisen gewonnen und bearbeitet. Und ein Symbol für die hiesige Region, für die Schwerindustrie des Reviers. So heißt das Werk aus rostigen, gewundenen Röhren "Hoesch", das beim Betrachter mit Ortskenntnis sofort die Erinnerungen an die ehemaligen Gichtgasleitung weckt, die sich wie stählerne Schlangen durch die Gegend wanden.

Rostiger Stahl

Neben blankem Stahl greift Wolfgang Schlieker immer häufiger zu rostigen Rohlingen. Wickelt Schiefer in rostrote Bänder, spaltet Sandstein mit einem verrosteten Stahlrechteck, packt einen Lavabrocken in ein Gefängnis aus dicken, rostigen Bögen. "Daily News" hat er dieses erst kürzlich geschaffene Werk genannt und sinniert: "Tagtäglich stürmen in den Nachrichten viele, vor allem negative Meldungen auf uns ein. Wir können uns nicht dagegen wehren." Eine Interpretation, die zeigt, was Schlieker antreibt, die aber auch den Blick auf das Material schärft. Lässt doch das poröse Lavagestein an die Abbildungen der Gehirnstrukturen denken.
Die Struktur des Gesteins hat es Schlieker von jeher angetan. Kein Wunder, dass zwischen den üppigen Pflanzen im Gewächshaus fast wie hingestreut ungezählte Steine lagern. Vulkanische Produkte wie Lava und Basalt genauso wie Granit, Schiefer, Sandstein und Marmor. Aus vieler Herren Länder, aus dem Gebirge ebenso wie von Europas Küsten.
Manche Steine liegen schon viele Jahre zwischen dem Grün, wie auch so manch ein Bogen aus Stahl. Einiges hat Schlieker schon mal bearbeitet, wieder weggelegt. Die Zeit war noch nicht reif.
"Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde nie fertig", sagt er. Aber will er das überhaupt? Vielmehr scheint er von einer unsichtbaren Kraft getrieben, sich an Stein und Stahl abzuarbeiten. Philosophische Gedanken greifbar zu machen.
So liegt eine tonnenschwere Skulptur zurzeit noch horizontal im grünen Atelier, soll aber, so Wolfgang Schlieker, bald vertikal in den Himmel ragen. Eine Treppe aus dickem, verrosteten Stahl und zahlreichen Steinblöcken. "Stairways to Heaven", hat er das rund drei Meter hohe, imposante Werk betitelt.
Das dann aber, anders als viele andere seiner Skulpturen, unbewegt selbst einem Orkan trotzen wird. Nicht so die Komposition aus weiß glitzerndem Naxos-Marmor. Die braucht Wind, um zu wirken.
Und weil so viele Werke zum Leben erweckt würden, träumt Wolfgang Schlieker von einem richtigen Skulpturengarten.

Ausstellungsstück am Blumenladen

Beim Besuch des Ladenlokals von Blumen Schlieker (Holzstraße 93) kann man stets einen Blick auf eine Skulptur werfen. An der linken Seite des Geschäfts ist dieses Kunstwerk zu sehen.