Zeitungsartikel: "Stahl, Stein und etwas Wind"

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CASTROP. Stein und Stahl - das sind die Materialien, die Wolfgang Schlieker schon seit Jahrzehnten immer wieder aufs Neue begeistern. Und seine Kreativität immer wieder anregen. Was folgt, ist harte Arbeit, denn der Stoff, aus dem die Schliekersche Kunst entsteht, ist ausgesprochen schwer und sperrig.
Dabei gelingt es dem Künstler in seinen Werken, die Erdanziehungskraft scheinbar auszuschalten. Schlieker lässt Granit und Basalt schweben. Verbunden mit meterlangen, gebogenen Stahlbändern verbinden die schweren Brocken nicht nur Himmel und Erde, das Element Luft befeuert die Kinetik, versetzt die Werke in Schwingungen.
Schon immer hatte der Floristikmeister ein ausgeprägtes Faible für Gestein. "Steine sind Natur, genau so wie Pflanzen", erklärt er seine Faszination. Wogegen der Stahl, wenn man seiner Philosophie folgt, Menschenwerk ist. Aus Eisen gewonnen und bearbeitet. Und ein Symbol für die hiesige Region, für die Schwerindustrie des Reviers. So heißt das Werk aus rostigen, gewundenen Röhren "Hoesch", das beim Betrachter mit Ortskenntnis sofort die Erinnerungen an die ehemaligen Gichtgasleitung weckt, die sich wie stählerne Schlangen durch die Gegend wanden.

Rostiger Stahl

Neben blankem Stahl greift Wolfgang Schlieker immer häufiger zu rostigen Rohlingen. Wickelt Schiefer in rostrote Bänder, spaltet Sandstein mit einem verrosteten Stahlrechteck, packt einen Lavabrocken in ein Gefängnis aus dicken, rostigen Bögen. "Daily News" hat er dieses erst kürzlich geschaffene Werk genannt und sinniert: "Tagtäglich stürmen in den Nachrichten viele, vor allem negative Meldungen auf uns ein. Wir können uns nicht dagegen wehren." Eine Interpretation, die zeigt, was Schlieker antreibt, die aber auch den Blick auf das Material schärft. Lässt doch das poröse Lavagestein an die Abbildungen der Gehirnstrukturen denken.
Die Struktur des Gesteins hat es Schlieker von jeher angetan. Kein Wunder, dass zwischen den üppigen Pflanzen im Gewächshaus fast wie hingestreut ungezählte Steine lagern. Vulkanische Produkte wie Lava und Basalt genauso wie Granit, Schiefer, Sandstein und Marmor. Aus vieler Herren Länder, aus dem Gebirge ebenso wie von Europas Küsten.
Manche Steine liegen schon viele Jahre zwischen dem Grün, wie auch so manch ein Bogen aus Stahl. Einiges hat Schlieker schon mal bearbeitet, wieder weggelegt. Die Zeit war noch nicht reif.
"Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde nie fertig", sagt er. Aber will er das überhaupt? Vielmehr scheint er von einer unsichtbaren Kraft getrieben, sich an Stein und Stahl abzuarbeiten. Philosophische Gedanken greifbar zu machen.
So liegt eine tonnenschwere Skulptur zurzeit noch horizontal im grünen Atelier, soll aber, so Wolfgang Schlieker, bald vertikal in den Himmel ragen. Eine Treppe aus dickem, verrosteten Stahl und zahlreichen Steinblöcken. "Stairways to Heaven", hat er das rund drei Meter hohe, imposante Werk betitelt.
Das dann aber, anders als viele andere seiner Skulpturen, unbewegt selbst einem Orkan trotzen wird. Nicht so die Komposition aus weiß glitzerndem Naxos-Marmor. Die braucht Wind, um zu wirken.
Und weil so viele Werke zum Leben erweckt würden, träumt Wolfgang Schlieker von einem richtigen Skulpturengarten.

Übersicht der Zeitungsartikel

  • Malgeschichten treffen Stahl Malgeschichten treffen Stahl
  • Stahl, Stein und etwas Wind Stahl, Stein und etwas Wind
  • Mit der Flechs Mit der Flechs
  • Die Leichtigkeit des Steins Die Leichtigkeit des Steins
  • Geschichte von Europa Geschichte von Europa
  • Schwebender Basalt auf dem Bahnhofsplatz Schwebender Basalt auf dem Bahnhofsplatz
  • Kunstwerk für den Garten Kunstwerk für den Garten